29/11 – 20/12/2025
Projektbüro DFI e.V.
Ausstellung
Eiskellerberg 1-3
40213 Düsseldorf
Eröffnung:
SA, 29/11, 16–20 Uhr
Öffnungszeiten:
Samstags, 14–18 Uhr









Annette Kelm, Die Bücher, 2021
Bruno Frei, Hanussen. Ein Bericht, 1934
Mit einem Vorwort von Egon Erwin Kisch
Sebastian Brant-Verlag, Strasbourg
Courtesy the artist and Esther Schipper Berlin/Paris/Seoul
Annette Kelm, Die Bücher, 2021
Joachim Ringelnatz, Kinder-Verwirr-Buch, 1931
Ernst Rowohlt Verlag, Berlin
Einbandgestaltung Joachim Ringelnatz
Courtesy the artist and Esther Schipper Berlin/Paris/Seoul
Annette Kelm, Die Bücher, 2021
Erika Mann, School for Barbarians. Education under the Nazis, 1938
Einleitung Thomas Mann
Übersetzung H.T. Lowe-Porter, Princeton, N.J., 1938, Modern Age Books, New York
Einbandgestaltung Irving Politzer
Courtesy the artist and Esther Schipper Berlin/Paris/Seoul
Annette Kelm, Die Bücher, 2021
Helene Stöcker, Liebe, 1927
Verlag der Neuen Generation, Berlin-Nikolassee
Einbandgestaltung John Heartfield
Courtesy the artist and Esther Schipper Berlin/Paris/Seoul
Annette Kelm, Die Bücher, 2021
Alfred Kerr, Die Diktatur des Hausknechts, 1934
Les Associés Editeurs, Bruxelles
Courtesy the artist and Esther Schipper Berlin/Paris/Seoul
Annette Kelm, Die Bücher, 2021
Anna Seghers, Visado de Transito, 1944
Traducción del alemán por Angela Selke y Antonio Sanchez Barbudo, Editorial Nuevo Mundo, México, D. F. Impreso y Hecho en Mexico
Courtesy the artist and Esther Schipper Berlin/Paris/Seoul
Annette Kelm, Die Bücher, 2021
Lili Körber, Eine Frau erlebt den roten Alltag. Ein Tagebuch-Roman aus den Putilowwerken, 1932
Rowohlt, Berlin
Einbandgestaltung John Heartfield
Courtesy the artist and Esther Schipper Berlin/Paris/Seoul
Annette Kelm, Die Bücher, 2021
Erika Mann, Stoffel fliegt übers Meer, 1932
Herold-Verlag R. & E. Lenk, Stuttgart Einbandgestaltung Richard Hallgarten
Courtesy the artist and Esther Schipper Berlin/Paris/Seoul
Annette Kelm, Die Bücher, 2021
Kurt Tucholsky, Lerne lachen ohne zu weinen, 1931
Ernst Rowohlt Verlag, Berlin
Fotografie: Wellington Film Manufacture
Courtesy the artist and Esther Schipper Berlin/Paris/Seoul
Für ihre Serie „Die Bücher“ fotografierte Annette Kelm (*1975) die Cover der Bücher, die 1933 verboten und öffentlich verbrannt wurden. Die im Projektbüro des DFI e.V. gezeigten Fotografien bilden eine Gegenerzählung zu den Bildern der Täter.
Als im Frühjahr 1933 die Nationalsozialisten die ersten Bücherverbrennungen durchführten, blieben die einzelnen Buchtitel in dieser propagandistischen Inszenierung weitgehend unsichtbar. In Kelms Serie werden sie nicht nur wieder sichtbar, sie entfalten durch ihre Darstellung eine neue visuelle Kraft.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme organisierte die Deutsche Studentenschaft im Rahmen der „Aktion wider den undeutschen Geist“ die Verfolgung jüdischer, sowie als marxistisch oder pazifistisch eingestufter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Die darauf folgenden Bücherverbrennungen fanden ab Frühjahr 1933 an vielen Orten in Deutschland statt; der Bebelplatz in Berlin wurde später zum bekanntesten Schauplatz. Zu den verbrannten Büchern gehörten Titel von Autorinnen und Autoren wie Erich Kästner, Erika Mann, Kurt Tucholsky oder Else Lasker-Schüler. Bereits am 11. April 1933 – und damit noch vor der Aktion in Berlin – fand in Düsseldorf eine der ersten Bücherverbrennungen statt: vor dem damaligen Planetarium, dem heutigen Gebäude der Tonhalle im Ehrenhof, in unmittelbarer Nähe zur Kunstakademie und zum heutigen Projektbüro des DFI e.V.
Viele dieser Umschläge wurden in den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren gestaltet, in einer Phase, in der Verlage verstärkt mit Künstler*innen, Typograf*innen und Grafiker*innen zusammenarbeiteten. Die Entwürfe greifen die Bildsprachen der Moderne auf – Expressionismus, Konstruktivismus, Bauhaus, Dada, Fotomontage und eine experimentelle Typografie. Namen wie Werner Beucke, John Heartfield, Käthe Kollwitz oder Georg Salter stehen für diese Entwicklung. Die Gestaltung der Bücher spiegelt einen liberalen, urbanen Zeitgeist, der 1933 ein gewaltsames Ende fand. Viele der in diesen Büchern verhandelten Themen – Demokratie, Frauenrechte oder Fragen der sexuellen Identität – erhalten heute wieder eine neue Aktualität.
Indem Annette Kelm die Umschläge vergrößert und sachlich präzise wiedergibt, enthüllen die Fotografien Details und kleinste Materialzeichen, die im Original kaum wahrnehmbar sind. Gleichzeitig entstehen durch den einheitlichen Maßstab und die gleichen formalen Kriterien Bezüge zwischen den Werken – eine klare, vergleichbare Abfolge. Die Serie eröffnet einen Blick auf die Vielfalt ihrer Gestaltung und die unterschiedlichen Spuren ihres Gebrauchs.
Kelm nutzt die Bedingungen und Möglichkeiten der Fotografie, um zu zeigen, wie das Medium Aufmerksamkeit lenkt, Bedeutung setzt und Geschichte sichtbar macht.
Ihre Bilder richten den Blick nicht allein auf das Dargestellte, sondern auf die Art und Weise, wie die Darstellung entsteht. Fotografische Bilder sind nie neutral; sie setzen Perspektiven und prägen, wie historische Wirklichkeit wahrgenommen wird. Kelms Serie stellt der überlieferten Bildwelt der Bücherverbrennungen eine andere Form der Sichtbarkeit gegenüber. Nicht die Inszenierung des Feuers, sondern die Bücher selbst treten hervor – als erhaltene Objekte mit einer eigenen Geschichte und zeitlichen Tiefe.
Die Bücher werden in den Fotografien als verletzliche Zeugnisse sichtbar – Objekte, die Spuren ihrer Nutzung und ihrer Geschichte tragen. In den vergrößerten und präzise ausgearbeiteten Aufnahmen werden kleinste Materialzeichen lesbar: Faltungen, Abrieb, Kanten oder leichte Verfärbungen. Feine Schatten und minimale Erhebungen erzeugen eine sachliche Plastizität; die Oberfläche zeigt sich als dreidimensionales Objekt.
Jedes dieser Bücher hätte vernichtet werden sollen und existiert dennoch weiter. Die Bücher treten hier nicht als vernichtete oder verlorene Objekte auf, sondern als Träger dieser Geschichte. So bekommen sie etwas von der Macht und Würde zurück, die ihnen die Nationalsozialisten für immer nehmen wollten. Das mag nicht trösten und erst recht nichts heilen, ein zärtlicher Akt historischer Gerechtigkeit könnte es dennoch sein.
Die Serie entstand 2019 im Rahmen des Projektes „Tell me about yesterday tomorrow“ des NS-Dokumentationszentrums München, kuratiert von Nicolaus Schafhausen und Mirjam Zadoff.
AUSSTELLUNGSANSICHTEN






















Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Installationsansicht von Annette Kelm: Die Bücher
© AR / Courtesy DFI e. V.
Annette Kelm wurde 1975 in Stuttgart geboren und lebt und arbeitet in Berlin.
Einzelausstellungen fanden unter anderem im ICA Milano (2023), der Kunsthalle zu Kiel (2022), der Kunsthalle Wien (2018), der Fosun Foundation, Shanghai (2018), der Kestner Gesellschaft Hannover (2017), dem Museum of Contemporary Art Detroit (2016) und den KW Institute for Contemporary Art Berlin (2009) statt. Zudem nahm sie an der 54. Venedig Biennale und zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen teil.
Ihre Werke befinden sich in bedeutenden Sammlungen wie dem Centre Pompidou Paris, dem Museum of Modern Art New York, dem Solomon R. Guggenheim Museum New York, der Tate Modern London, der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland sowie dem Museum Ludwig Köln.
Annette Kelm war im letzten Semester Vertretungsprofessorin in der Klasse für Fotografie von Christopher Williams an der Kunstakademie Düsseldorf.
Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Unterstützung der Landeshauptstadt Düsseldorf sowie von Esther Schipper, Berlin/Paris/Seoul