02 – 22/02/2026
Projektbüro DFI e.V.
Ausstellung
Eiskellerberg 1-3
40213 Düsseldorf
Öffnungszeiten:
MO, 02/02, 16–20 Uhr
DI–SO, 03–08/02, 10-20 Uhr
SA/SO. 14+15/02, 14–18 Uhr
SA/SO. 21+22/02, 14–18 Uhr

Projektion 1, 1971, P1/34 Kontakt 34. Courtesy of the artist.
IMI KNOEBEL UND FOTOGRAFIE
Zwischen 1968 und 1974 entwickelt Imi Knoebel – bis 1971 Student in der Klasse von Joseph Beuys – die Werkreihe Projektion. Ausgehend von seinen Linienbildern, in denen er formale Ordnungen seriell auf Papier untersucht, überführt er diese zweidimensionalen Strukturen mittels Lichtprojektion und fotografischer Verfahren in den Raum.
Der Autor und Künstler Johannes Stüttgen schreibt 1994 rückblickend über Knoebels fotografisches Werk:
„Imi Knoebel war nicht nur einer der ersten in Düsseldorf in den späten 1960er Jahren, der die Fotografie als eigenständiges künstlerisches Medium in seiner Arbeit eingesetzt hat, sondern sicher auch einer der darin konsequentesten und radikalsten.“
Johannes Stüttgen: Einige Anmerkungen zu den photographischen Arbeiten der Jahre 1968–1974 von Imi Knoebel, 1994. (Vollständiger Text als PDF)
Das im Projektbüro DFI e. V. erstmals in seinem gesamten Zusammenhang präsentierte Konvolut – das neben Abzügen auch die vollständigen Kontaktabzüge des Archivs umfasst – zeigt eine frühe, formative Phase von Knoebels Arbeit. Das fotografische Bild entsteht hier als Resultat eines fortlaufenden Arbeitsprozesses: Geometrische und freie Formen bilden den Ausgangspunkt, werden in den nächtlichen Raum projiziert und fotografisch festgehalten. In der Betrachtung der Bilder wird der Raum immer wieder neu gelesen und ins Verhältnis gesetzt; Maßstab und Distanz verändern sich.
Fotografie ist hier eigenständige künstlerische Praxis.
Das fotografische Archiv der Werkreihe legt die prozesshafte Entwicklung über einen Zeitraum von sechs Jahren offen. Anhand der Kontaktabzüge, die 6.900 Negative zeigen, lassen sich serielle Variationen und das Austesten räumlicher Situationen unmittelbar verfolgen. Die Kamera dient hierbei als Werkzeug einer kontinuierlichen Untersuchung von Licht im Raum.

Projektion 3, 1971, P3/2 Kontakt 33. Courtesy of the artist.

Kontaktbogen Projektion 1, 1971, P1/21. Courtesy of the artist.
Das Archiv wird in einem Schrank mit 152 Kartons präsentiert, die die 24 × 30 cm großen Schwarzweißabzüge enthalten. Dieses Konvolut geht unmittelbar aus dem fortlaufenden Zusammenhang der fotografischen Arbeit hervor.
Knoebels Verfahren gründet auf der physischen Bearbeitung des Diapositivs: Er überzieht den Bildträger zunächst mit einer deckenden Schicht aus Abdeckrot (Schmincke Negativ-Retusche). Mit einem Skalpell schneidet er anschließend präzise Linien in die Farbhaut; parallel dazu entstehen gestisch-malerische Formen durch den Auftrag von Farbe auf das Glas des Diapositivs.
Durch diese manuellen Eingriffe wird das Diapositiv zu einem Material zwischen Malerei und Fotografie. Diese Arbeiten bilden die Grundlage für die Lichtprojektionen, die er im Atelier sowie im Außen- und Stadtraum inszeniert. Mit der Spiegelreflexkamera festgehalten, werden diese Licht-Raum-Experimente schließlich als Baryt-Abzüge vergrößert.
Einsicht ins Archiv:
Archivmaterial (Kontaktbögen und Prints) ist nach Absprache mit dem Personal während der Öffnungszeiten von 15–18 Uhr vor Ort einsehbar.

Imi Knoebel, Videostill aus Projektion X, 1972
Video, 40′, s/w, ohne Ton. Courtesy of the artist.
PROJEKTION X
Im zweiten Ausstellungsraum erweitert die Arbeit Projektion X (1972) die Untersuchung des Stadtraums um die Dimensionen von Zeit und kontinuierlicher Bewegung.
Das gemeinsam mit Gerry Schum für die Fernseh- und Videogalerie Schum realisierte Projekt dokumentiert eine vierzigminütige, permanente Fahrt durch das nächtliche Darmstadt. Ein auf einem fahrenden Bus montierter Projektionsaufbau projiziert dabei ein „X“ in die Architektur des Stadtraums, während die Kamera diese Lichtprojektion unmittelbar aufzeichnet.
Durch die kontinuierliche Bewegung des fahrenden Busses und die Projektion von Licht in den Stadtraum werden Abstände, Größenverhältnisse und räumliche Bezüge dekonstruiert und in ihrer Wahrnehmung verändert.
Ab 1965 studiert Imi Knoebel in der Klasse von Joseph Beuys. In diesem Umfeld wird Kunst im Sinne eines erweiterten Kunstbegriffs als ein offener, prozessualer Zusammenhang von Material, Handlung und Zeit verstanden. Beuys’ Lehre eröffnet den Raum für eine medienübergreifende Praxis, die es Knoebel ermöglicht, die Fotografie jenseits der Abbildung als Instrument zur Untersuchung von Material, Licht und Zeit einzusetzen. In dieser Atmosphäre künstlerischer Selbstbestimmung entwickeln sich fotografische Verfahren zu einem selbstverständlichen Bestandteil seines konzeptuellen Vorgehens.
1940 in Dessau geboren, beginnt Imi Knoebel 1962 sein Studium an der Werkkunstschule Darmstadt. Fotografie ist dort als eigenständige bildnerische Praxis etabliert und Teil einer Ausbildung mit Bezügen zur Bauhaus-Tradition sowie zu material- und praxisorientierten Lehrkonzepten. Form, Material und Licht werden medienübergreifend reflektiert.
In diesem Kontext lehrt ab 1961 der Künstler Kilian Breier Fotografie und Trickfilm an der Werkkunstschule Darmstadt. Als Vertreter der Konkreten Fotografie, Mitglied der „neue gruppe saar“ ehemaliger Assistent von Otto Steinert (1955–1958) und Beteiligter an „ZERO 3“ (1960) bringt Breier fotografische Diskurse an die Werkkunstschule – in diesem Umfeld bewegt sich auch Knoebel. Breiers Arbeit ist geprägt von Auseinandersetzungen mit Licht, Material, Serialität und formaler Reduktion.
1964 setzt Imi Knoebel seine Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf fort. Zunächst ist er in der Klasse für Angewandte Graphik bei Walter Breker eingeschrieben, bevor er in die Klasse von Joseph Beuys wechselt. Auch an der Akademie ist Fotografie präsent und wird in unterschiedlichen künstlerischen Zusammenhängen und experimentellen Arbeitsweisen genutzt.
Durch eine von Hilla Becher während ihres Studiums in der Graphikklasse Walter Breker eingerichtete Dunkelkammer verfügt die Akademie über technische und räumliche Voraussetzungen für fotografisches Arbeiten. Diese Infrastruktur eröffnet frühe praktische Zugänge zum Medium – noch bevor Fotografie ab 1973 als eigenständige Klasse etabliert wird.
Aus diesen künstlerischen, institutionellen und fotografischen Zusammenhängen entsteht die Werkreihe Projektion.
Mit dieser Ausstellung endet die Programmarbeit des DFI e. V. in den Räumlichkeiten am Eiskellerberg. Das Programm wird an anderer Stelle fortgeführt; die Kunstakademie Düsseldorf übernimmt die Räume.
Initiiert auf Einladung von Andreas Gursky und Moritz Wegwerth.
Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf.